Design-to-Code wird erwachsen: Vier Trends, die gerade unseren Agenturalltag verändern
Es gibt Tage, da merkt man in der Agentur richtig physisch, dass sich etwas verschiebt. Nicht als großer Knall, sondern als leiser Produktivitätssprung: weniger Copy-Paste, weniger „Kannst du mir das schnell exportieren?“, weniger Interpretationsspielraum zwischen Design und Code. In den letzten 24–48 Stunden sind uns vier Signale aufgefallen, die genau in diese Richtung zeigen – und die wir bei solid⁴ gerade sehr konkret in unsere Workflows einbauen.
Wichtig: Nicht jeder Trend ist sofort „produktionstauglich“. Aber jeder davon gibt uns Hinweise darauf, wie sich Web- und Grafikdesign (und damit auch die Zusammenarbeit mit Ihnen als Kunde) in den nächsten Monaten anfhülen wird: schneller, nachvollziehbarer, besser dokumentiert – und oft auch deutlich konsistenter.
Trend 1: GitHub Copilot ↔ Figma – UI als editierbare Frames (nicht nur als Screenshot)
Figma hat in den Release Notes eine spannende Brücke zwischen Entwicklung und Design nachgelegt: GitHub Copilot kann über den Figma MCP Server gerenderte UI direkt in die Figma-Canvas pushen – als editierbare Frames, nicht als Bild. Gleichzeitig kann Copilot Design-Kontext aus Figma wieder in den Code ziehen.
Was uns daran gefällt: Das ist kein „Design-to-Code“ als Einbahnstraße, sondern eher ein gemeinsames Whiteboard für Designer und Devs. In einem aktuellen Kundenprojekt haben wir das intern so diskutiert: Wenn ein Entwickler eine neue Komponente im Frontend prototypisch baut, kann er den Zustand sofort als Frame in Figma ablegen – und unser Design-Team sieht nicht nur „was“ gebaut wurde, sondern kann es auf Designsystem-Ebene weiterdenken (Varianten, Zustände, Tokens).
Wie wir das bei solid⁴ einsetzen würden
- Cursor + Copilot als Prototyping-Schleife: Wir bauen eine neue UI-Variante schnell in Code (z.B. für einen Shopify-Kunden), pushen sie als Frame nach Figma und vergleichen im Team die Richtung – bevor wir sie sauber in das Designsystem überführen.
- ActiveCollab-Workflow: Wir würden diese „Code-Frame“ Artefakte als eigene Task-Checks in ActiveCollab hängen („Frame aus Build nach Figma pushen“), damit Entscheidungen später nachvollziehbar bleiben.
- Haltungscheck: Das ersetzt keine saubere UI-Konzeption. Aber es reduziert das „Übersetzungsrauschen“ zwischen Design-Intent und Implementierung massiv.
Quelle: Figma Release Notes zu „GitHub Copilot to Figma“ (https://www.figma.com/release-notes/)
Trend 2: Figma „Slots“ – weniger Varianten, weniger Detach, mehr System-Logik
Der zweite große Baustein kommt ebenfalls von Figma: Slots gehen in Open Beta. Die Idee dahinter ist sehr pragmatisch: Komponenten sollen sich anpassbar bleiben, ohne dass Instanzen detachiert werden müssen. Also z.B. ein Menu mit 6 statt 5 Einträgen, ein Card-Layout mit Icon-Variante, ein Modal mit zusätzlichem Button – ohne dass daraus gleich ein Variantenmonster wird.
Wir erleben in fast jedem Designsystem-Projekt denselben Schmerz: Am Anfang ist alles sauber. Nach ein paar Monaten gibt es „Sonderfälle“, die dann mit Detach oder versteckten Layern gelöst werden. Das ist nachvollziehbar – aber für Skalierung, Wartung und auch für automatisierte Workflows Gift. Slots adressieren genau dieses Problem, indem sie Struktur stabil halten, aber Inhalt flexibel machen.
Was das für Ihre Web-Projekte bedeutet
- Schnellere Anpassungen ohne „Designsystem bricht“: Wenn wir für Sie Landingpages oder Kampagnenmodule bauen, müssen wir seltener „Ausnahmen“ definieren. Das spart Zeit und reduziert Inkonsistenzen.
- Besserer Dev-Handoff: Slot-Strukturen sind näher an dem, wie Komponenten in Code sowieso gebaut werden (Container + Content). Das ist für Teams, die mit Storyblok/Directus oder Headless-Setups arbeiten, ein echter Vorteil.
- Weniger Hype, mehr Handwerk: Slots sind kein „AI Feature“. Genau deshalb glauben wir, dass es langfristig wirkt: Es ist eine Struktur-Verbesserung, die später auch AI-Workflows leichter macht.
Quellen: Figma Blog „How to supercharge your design system with slots“ (https://www.figma.com/blog/supercharge-your-design-system-with-slots/) und Figma Forum-Ankündigung (https://forum.figma.com/product-updates-3/slots-is-rolling-out-in-open-beta-51584)
Trend 3: Figma „Vectorize“ – Raster rein, editierbare Vektoren raus
Ein kleiner, aber im Alltag extrem spürbarer Trend: Figma hat mit Vectorize ein AI-Tool angekündigt, das Rasterbilder in editierbare Vektoren umwandelt. Klingt nach „kann Illustrator schon ewig“ – stimmt. Der Unterschied ist die Nähe zum Layout. Wenn die Vektorisierung dort passiert, wo wir ohnehin Layout, UI und Komponenten pflegen, verkürzt das viele Mini-Schleifen.
Agenturalltag: Wo das wirklich hilft
- Logo/Markenassets aus Altbeständen: Wir bekommen oft PDFs, Screenshots oder „nur dieses eine PNG“. Bisher: ab nach Illustrator, nachbauen, wieder importieren. Mit Vectorize wird der Weg kürzer – gerade für schnelle Prototypen.
- UI-Icons für Webprojekte: In WordPress- oder Shopify-Projekten brauchen wir manchmal kurzfristig ein Icon-Set in sauberer Vektorqualität. Wenn wir das direkt in Figma erzeugen und dann in den Dev-Flow geben, gewinnen wir Geschwindigkeit.
- Unser Blick darauf: Wir würden es nicht als „Finalisierungstool“ für Brand Assets einsetzen, sondern als Turbo für die Zwischenstufe. Finales Logo-Handling bleibt bei uns weiterhin in Illustrator (Kontrolle, Pfadqualität, Export-Sicherheit).
Quelle: Figma Newsroom „Vectorize images in Figma“ (https://www.figma.com/newsroom/)
Trend 4: Photoshop Feb 2026: „Generate Similar“ wird besser – aber Governance bleibt Pflicht
Adobe hat in den Photoshop Desktop Release Notes für Februar 2026 ein Update genannt, das für viele Content-Workflows relevant ist: Generate Similar in Generative Fill/Expand nutzt jetzt das aktualisierte Firefly Fill & Expand Model. Das ist auf dem Papier nur ein Satz – in der Praxis bedeutet es oft: weniger „Prompt-Lotterie“, mehr Wiederholbarkeit.
Bei uns im Team sehen wir das vor allem im Kontext von Content-Produktion für Kampagnen: Key Visual Varianten, unterschiedliche Crops, Assets für Social/Display. Wir arbeiten hier je nach Projekt in Photoshop, After Effects und DaVinci Resolve – und der Trend geht klar Richtung Variation in kurzer Zeit (ohne jedes Motiv komplett neu aufzubauen).
Was wir dabei nicht unterschätzen
- Brand-Konsistenz: Mehr AI-Varianten heißt auch mehr Risiko, dass Bildsprache und Details driften. Wir legen deshalb in Projekten gerne eine kleine „Asset-Governance“ an: Referenzmotive, akzeptierte Stile, No-Gos.
- Produktionsfähigkeit: Nicht alles, was schnell generiert ist, ist druck- oder webtauglich. Wir prüfen am Ende immer: Schärfe, Artefakte, Farbräume, Export.
- Tool-Mix: Photoshop bleibt bei uns die „Schweizer Taschenmesser“-Station. Für Motion-Varianten landen viele Assets danach in After Effects oder DaVinci Resolve.
Quelle: Adobe Photoshop Desktop Release Notes, Februar 2026 (https://helpx.adobe.com/photoshop/desktop/whats-new/photoshop-on-desktop-release-notes.html)
Fazit: Der Trend heißt nicht „AI“ – sondern „weniger Reibung“
Wenn wir diese vier Signale zusammenlegen, entsteht ein klares Bild: Tools wie Figma und Photoshop entwickeln sich gerade nicht nur „in Richtung AI“, sondern in Richtung durchgängiger Workflows. Design wird strukturierter (Slots), Entwicklung wird visuell anschlussfähiger (Copilot ↔ Figma), Assets werden schneller bearbeitbar (Vectorize), und Generierung wird wiederholbarer (Generate Similar).
Für uns bei solid⁴ ist das vor allem eine Einladung, unsere internen Abläufe noch konsequenter so zu bauen, dass Sie als Kunde profitieren: weniger Schleifen, weniger Missverständnisse, mehr Konsistenz – und am Ende mehr Raum für das, was wirklich zählt: klare Botschaften, saubere User Journeys und Ergebnisse, die sich messen lassen.
