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Vom Schnittplatz ins Fotostudio

Blackmagic Design hat mit DaVinci Resolve 21 eine Grenze überschritten, die lange als selbstverständlich galt: Video ist Video, Foto ist Foto — und Adobe hält beides getrennt. Resolve 21 räumt diese Trennung ab. Zum ersten Mal bringt das Programm einen vollständigen Fotografie-Workflow in dieselbe Node-basierte Pipeline, mit der bisher Kinofarbe und Videoschnitt gemacht wurden. Lightroom und Photoshop stehen plötzlich als Duo da, wo vorher ein Trio nötig war.

Wir bei solid4 nutzen DaVinci Resolve seit Jahren für Videoarbeiten — Farbkorrekturen für Kundenpräsentationen, kurze Imagefilme, Social-Content. Dass das Tool jetzt Standbilder genauso behandelt wie bewegtes Bild, ist kein kleines Update. Es ist eine Ansage.

Was Resolve 21 konkret verändert

Der Kern des Updates: Standbilder lassen sich nun direkt in Resolves Node-Baum einbinden — dem gleichen System, das Coloristen für cineastische Farbgebung verwenden. Das bedeutet nicht-destruktives Bearbeiten auf Profi-Niveau, ohne zwischen Apps zu wechseln. Wer einen Imagefilm für einen Kunden dreht und dazu Produktfotos aufbereitet, erledigt beides in einer Umgebung, mit denselben Farbwerkzeugen, demselben Look.

Hinzu kommt: Resolve 21 unterstützt jetzt das native .af-Format von Affinity — gemeinsam mit Capture One. Der Dateiaustausch zwischen diesen Programmen funktioniert ohne Qualitätsverlust und ohne Umwege über TIFF oder PSD. Für Studios, die auf Affinity Photo statt Photoshop setzen, ist das ein erheblicher Gewinn an Reibungslosigkeit im Tagesgeschäft.

Was viele dabei unterschätzen: Resolve ist kostenlos. Die Vollversion, nicht eine abgespeckte Variante. Wer bisher zögerte, weil Adobe-Lizenzen als selbstverständlich galten, bekommt mit Version 21 ein Argument mehr — zumindest die Evaluierung anzustellen.

Was das für Unternehmen im DACH-Raum bedeutet

Ein mittelständisches Unternehmen aus dem Bregenzerwald fragte uns vor einigen Monaten, warum es für Produktfotos, Unternehmensfilm und Social-Content drei verschiedene Software-Lizenzen und zwei Dienstleister braucht. Die ehrliche Antwort war damals: weil die Tools das so vorsehen.

Mit Resolve 21 verschiebt sich diese Antwort. Für Produktionen, die Foto und Video verbinden — und das ist bei fast jedem Markenprojekt der Fall — entsteht erstmals eine realistische Alternative zu Adobes Ökosystem. Die Vereinfachung zeigt sich in drei konkreten Bereichen:

  • Lizenzkosten: Resolve ist kostenlos, der gesamte Workflow liegt in einem einzigen Tool.
  • Konsistenz: Foto und Video teilen sich dieselben Farbräume, dieselben Look-Presets, denselben Farbprozess.
  • Übergaben: Weniger Konvertierungsschritte bedeuten weniger Fehlerquellen — gerade bei Projekten mit engen Deadlines.

Für KMUs, die nicht über eigene Designabteilungen verfügen und auf externe Agenturen angewiesen sind, zählt jede eingesparte Schnittstelle.

Was fast 20 Jahre Toolwechsel uns gelehrt haben

Wir haben in fast zwei Jahrzehnten Agenturarbeit viele solche Wechsel erlebt — von QuarkXPress zu InDesign, von Flash zu HTML5, von lokalen Servern zu Cloud-Infrastrukturen. Was wir dabei immer wieder festgestellt haben: Die Ankündigung ist selten das Problem. Der Wechsel ist es.

Resolve 21 ist technisch beeindruckend. Aber wer seinen gesamten Foto-Workflow jetzt umstellt, braucht Zeit für Einarbeitung, neue Exportroutinen und angepasste Übergabeformate. Tools lernt man schnell. Workflows verändern sich langsam. Und in Projekten mit engen Deadlines entscheidet oft nicht das beste Tool, sondern das vertrauteste.

Unser Zugang bei solid4: Wir testen neue Möglichkeiten ernsthaft, aber wir migrieren nur dort, wo der Mehrwert für ein konkretes Projekt klar überwiegt. Resolve für den Foto-Workflow kommt in unsere Evaluierungsrunde — für Projekte, bei denen wir ohnehin schon in Resolve arbeiten und Bildmaterial dazugehört. Nicht als Generalersatz, aber als gezieltes Werkzeug dort, wo es Sinn ergibt.

Und Adobe?

Adobe hat in dieser Woche ebenfalls nicht geschwiegen: Firefly Design Intelligence verspricht, Markenrichtlinien direkt in Illustrator zu verstehen und on-brand Content automatisch zu generieren. Ein interessanter Kontrast — Blackmagic erweitert das Handwerk, Adobe automatisiert den Prozess.

Welcher Ansatz langfristig mehr Wert schafft, hängt davon ab, was man von einem Werkzeug erwartet. Für uns zählt am Ende das Ergebnis: eine Marke, die konsistent wirkt, Bilder, die überzeugen, und ein Workflow, der nicht mehr Zeit kostet als das Projekt wert ist.

Fazit

Resolve 21 ist keine Revolution — es ist eine konsequente Erweiterung eines Tools, das schon lange mehr kann, als viele Nutzer davon nutzen. Für alle, die Video und Foto unter einem Dach produzieren, lohnt sich ein genauer Blick. Nicht um Adobe zu ersetzen, sondern um zu verstehen, wo die eigenen Workflows tatsächlich Vereinfachung vertragen.

Das ist die Frage, die wir uns bei jedem neuen Tool stellen — und die wir in fast 20 Jahren für Dutzende Marken immer wieder neu beantwortet haben: Nicht „Kann es das?“, sondern „Hilft es uns, bessere Arbeit zu machen?“ Die Antwort ist selten ein einfaches Ja oder Nein. Aber die Frage konsequent zu stellen — das ist unsere Aufgabe.

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